Wirtschaft, Recht & Politik

Qingdao

4. September 2018

author:

Qingdao

Anfangs schien es wie eine normale Kunstaustellung, aber dann befand sich das Publikum mitten in Qingdao

Am Samstagabend, den 01.09.2018 gegen 18 Uhr, eröffnete die Ausstellung „Qingdao – Neue Acht Szenerien einer Stadt im Digitalzeitalter“ in der Handelskammer des Hamburger Rathauses.

Der Künstler und Sprachdozent der Universität Hamburg NI Shaofeng gestaltete mit seiner Künstlergruppe ein Projekt, über die Entwicklung der Stadt Qingdao. Vor allem der dynamische Prozess der Urbanisierung stand im Fokus. Daraus entstanden über 200 Objekte zu diesem Thema, wobei ein Teil davon in der Hafencity zu sehen ist.

Man hörte deutsche klassische Musik

Während die Gäste sich langsam in der Handelskammer sammelten, begann Ruobing Sun, ein Student der Hochschule für Musik und Theater Hamburgs, mit einem musikalischen Auftakt, indem er auf einer Trommel ein Stück von Johann Sebastian Bach spielte. „Es ist sehr toll, dass ich ein Teil der China Time sein kann. Vor allem der Kontrast zwischen China und Deutschland kommt bei dieser Ausstellung bestens zur Geltung“, so der Student.

Dies fand auch Prof. Dr. Thomas Fröhlich, Dozent der Universität Hamburgs im Fach Ideengeschichte und Philosophie. Für ihn spiele die China Time eine wichtige Rolle, um das voreingenommene Bild mancher Bürger von Ländern wie gerade China zu verändern. Die Veranstaltungsreihe biete die Möglichkeit viele der bestehenden Vorurteile abzuschaffen. Aus dem Grund sei gerade die Bedeutung der Kunst dieses Jahr sehr wichtig geworden.

Bestätigt wurden diese Aussagen durch die Ausstellung „Qingdao“. Hier finden sich verschiedene Kunstformen wieder, zum Beispiel Fotografien, Dreidimensionale Kunst, Ölmalereien und vor allem viele materielle und recycelte Gegenstände. Eines dieser Kunstwerke ist eine über 4 Meter hohe und 12 Meter lange Mauer, die sich aus Steinen zusammensetzt, welche mit LKW-Planen umhüllt und bemalt wurden. Alle Komponenten stammen aus der chinesischen Stadt Qingdao. Um so ein Projekt auf die Beine zu stellen, benötigte NI Shaofeng mit drei weiteren Künstlern DENG Huaidong, ZHU Xu und XIA Xun, ein Jahr.

Durch Kunst werden Menschen erreicht

NI Shaofeng sagte, dass das Projekt sein Hobby, seine Leidenschaft und sein Herz sei. Auf die Idee kam er, durch seine jährlichen Reisen nach China. „Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass die von mir bekannte Landschaft zunehmend verschwindet. Ich kam in meine Heimatstadt und konnte sie fast nicht wiedererkennen“, erzählt der Künstler. Ebenso meint er, dass sich die Stadt rapide verändert und ein Künstler muss diese Veränderung festhalten, da biete sich die Urbanisierung gut als Thema an. Diese Erfahrungen in China möchte er wieder spiegeln.

Ein Teil des Konzeptes ist, dass der Künstler sich zurückzieht und nicht viel über seine Werke preisgibt. Er hat es lieber, dass die Wirkung der Werke im Fokus steht. Diese Wirkung sei eine Art der Kommunikation, welche uns durch die dynamischen Prozesse unseres Alltags, verloren gehen.

NI Shaofeng beschreibt diese Erkenntnis am Beispiel des Theaters. Jeder ist ein Individuum, jeder ist für sich gut, in dem was er kann. Doch wenn man beginnen soll zu kommunizieren, ginge das Schöne des Theaters verloren. „Ich möchte dieses Stück von Kommunizierbarkeit wieder zurück gewinnen. … Ich möchte Menschen erreichen, mit Menschen zusammen arbeiten, meine Werke zeigen und ich möchte verstanden werden.“

Auch Künstlerin ZHU Xu will durch Ihre Werke mehr das Herz sprechen lassen, statt den Kopf. Ihrer Meinung nach verliert die Menschheit durch die Schnelligkeit der Urbanisierung das wesentliche aus den Augen. Sie selbst sei eine große Perfektionistin, was sich in ihren Werken wieder spiegelt. Aber gerade bei ihren Werken sollte man sich ans Herz fassen und darüber nachdenken, was ihre überarbeiteten Fotografien aussagen.

Wir wollen Frieden

Die Besucher selbst waren von der Ausstellung begeistert. Die meisten sind von der Thematik der Urbanisierung in den Kunstwerken beeindruckt. Andere erleben die Urbanisierung selbst mit, auch wenn diese hier in Hamburg nicht so schnell ginge wie in China. Eines ist jedoch sicher, den Zuschauer dazu zu bewegen, sich kritisch mit diesem Thema auseinanderzusetzen, ist Ni Shaofeng mit seiner Künstlergruppe gelungen. Momentan arbeitet er an der Fertigstellung seiner aktuellen Projekte „Tiere frei lassen“ und „Ein Stück freier Himmel“ in der Hafencity Hamburgs. Dort hängen 10.000 Kraniche von der Decke, wobei jeder Besucher das Projekt selbst mit gestalten kann. „Eines Tages möchte ich sehen, wie 1. Mio. Origami Vögel fliegen. Ich will dadurch Friedensbotschaften verkünden. Wir – die Menschen, wir wollen Frieden.“

Wer sich die Ausstellung der Künstler anschauen möchte, kann dies bis zum 24.09.2018 tun.

 

Autorin: Sandrine Smajic

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

On this website we use first or third-party tools that store small files (cookie) on your device. Cookies are normally used to allow the site to run properly (technical cookies), to generate navigation usage reports (statistics cookies) and to suitable advertise our services/products (profiling cookies). We can directly use technical cookies, but you have the right to choose whether or not to enable statistical and profiling cookies. Enabling these cookies, you help us to offer you a better experience.