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C(h)ineastische Kunst

8. September 2018

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C(h)ineastische Kunst

Traditionelle Malerei im zeitgenössischen Animationsfilm

„Respekt vor Tradition“, könnte wohl ein Leitspruch für die Kunst Chinas sein. Es scheint als hätten sich die chinesischen Künstler oft an alten Kunstwerken orientiert und sich nicht nur auf die Schaffung von Neuem konzentriert. Somit zeigt sich eine Kontinuität von chinesischer Kunst, wenn man diese über die Jahre hinweg betrachtenet. Von Bronzekunst über Kalligraphie bis hin zu Lackkunst oder Tapeten, es handelt sich um anspruchsvolle Kunstformen die fundierte handwerkliche Ausbildungen verlangen.

Diese erlernten Fertigkeiten kommen auch den Werken des Kurzfilmprogramms „Forward Backward“ zugute. Denn die traditionelle Kunstvermittlung beeinflusst auch heute noch die Künstler Chinas und fließt in die modernen Arbeiten, mit deren aktuellen Themen ein. Genau hier setzt Zhou Fei mit der Auswahl ihres Programms an. Ihr Ziel ist es, einen Dialog zwischen bildender Kunst und Kurzfilm zu schaffen.

Zhou Fei, eine Video- und Medienkünstlerin, Kuratorin und Fotografin aus China, beschreibt die Kurzfilme als „bewegte Malereien“, die von KünstlerInnen stammen, die sowohl Bildende Künstler, als auch Filmschaffende sind. Die sechs gezeigten Filme basieren auf Gemälden und zeigen viele verschiedene Kunstformen. Zhou Fei war es wichtig, hier vielseitige Techniken zu zeigen und einen breiten Blick in die Szene zu werfen. So wird zum Beispiel Tuschemalerei adaptiert, im Stil von Wandmalerei animiert oder mit Stop-Motion gearbeitet. Allerdings wurde nicht nur das kunsthistorische Erbe aufgegriffen, sondern auch die Popkultur findet, durch die wirtschaftliche Öffnung Chinas in den letzten Jahren ihren Einfluss und verändert die Ausdrucksweisen der Künstler.

All diese Kurzfilme sind höchst aufwendig zu produzieren und finden wohl trotzdem ein eher kleines Publikum, so die Kuratorin. Doch dementsprechend hat sie es sich zum Ziel gemacht den „Kinofilm als Weg ins Museum“ inspirieren zu lassen. Und dies scheint auch zu funktionieren. „Meine Erwartungen wurden übertroffen“, strahlte einer der Zuschauer am Ende der Veranstaltung. Die Reihe aus Animationsfilmen begeisterte und weckte Interesse für die chinesische und im speziellen, traditionelle Kunst.

Bei der Auswahl der Filmproduktionen spielte für Zhou Fei ein weiterer Aspekt eine zentrale Rolle. Sie will einen thematischen Zusammenhang zeigen, ohne sich dabei inhaltlich einengen zu lassen. Denn „das Land China ist sehr groß und die Menschen sind sehr unterschiedlich.“ So wird mit jüngeren politischen und kulturellen Themen, filmkünstlerisch verschieden umgegangen. Die Videokunstarbeiten beschäftigen sich mit aktuellen Fragestellungen Chinas. Sie bieten Einblicke in verschiedene Bereiche, die von Sterblichkeit, über politische Unzufriedenheit, bis hin zu Urbanisierung reichen. Auch demographische Dynamiken, zum Beispiel zwischen Vater und Tochter oder die Rolle der Frau werden gehäuft aufgegriffen. Auf den ersten Blick scheinen sich die verschiedenen Werke stark voneinander zu differenzieren, doch alle sechs erzählen mit einem kritischen Blick von soziokulturellen Schizophrenien Chinas.

Die Veranstaltung ermöglichte es den Zuschauern einen kleinen, aber gerade durch die traditionellen Einflüsse sehr interessanten Einblick in die Kurzfilmszene Chinas zu werfen. Wessen Interesse an dem schwer zugänglichen Medium oder an der Arbeit von Zhou Fei geweckt wurde, kann diesem in der Ausstellung „Inky Bytes“ nachgehen.

 

Autorin: Caroline Büchele

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